Augenschmaus inklusive

Sonntag, 10.00 Uhr. Traditionell ist das der Zeitpunkt, an dem sich der brave Bayer auf einer Kirchenbank niederlässt oder, wenn es sich um einen etwas fideler gestimmten Zeitgenossen handelt, den Abzweig wählt, der zum Frühschoppen in dem dem Gotteshaus benachbarten Wirtshaus führt. Das gilt jedoch beileibe nicht für alle Bewohner des Freistaats. Wenn zum Beispiel der Bayerische Fußballverband eine Begegnung der Garchinger U 14 an diesem Datum angesetzt hat, dann heißt es für eine ganze Reihe Anverwandte, den sonntäglichen Stau auf der A9 und dem Münchner Mittleren Ring zu riskieren, um pünktlich in Waldperlach einzutreffen, wo ihre Sprösslinge auf den dortigen SV treffen sollten.

Fest entschlossen, an den fünf Tage alten Sieg gegen Dornach anzuknüpfen, absolvierten die Garchinger ihr Aufwärmtraining, bevor es mit dem Anpfiff um Punkt zehn ernst wurde. Waldperlach begann das Match mit intensivem Pressing, mindestens zwei Spieler stürzten sich in der Anfangsphase auf den ballführenden Garchinger Spieler, ohne die Gäste jedoch nachhaltig zu stören, die sich geschickt den Angriffen entziehen konnten und sich nach ein paar Minuten bereits drei ausgezeichnete Chancen erspielt hatten. Die vierte führte dann zum völlig verdienten Führungstreffer.

Das Spiel der Waldperlacher lebte nun fast ausschließlich von ihrem Einsatz, alles an Kampfkraft wurde abgerufen, was die Jungs zu bieten hatten. Doch das war nicht genug, denn Garching – das ist die erste positive Nachricht des Tages – war auch in dieser Hinsicht die überlegene Mannschaft. Spielerisch – so das zweite Positivum – war der Gastgeber in keiner Phase der Begegnung in der Lage, es den Jungs vom VfR gleichzutun. Waldperlach blieb im Spiel nach vorne weitgehend harmlos und musste den immer druckvoller werdenden Angriffen der Gäste nach knapp 20 Minuten Tribut zollen, als die beiden längst fälligen Treffer zum 0:2 und 0:3 fielen. Wieder beherrschten die Garchinger eine Viertelstunde lang Ball und Gegenspieler und, fast mit dem Pausenpfiff, belohnten sie sich mit dem vierten Tor.

Das Spiel war nun entschieden, denn selbst der optimistischste Anhänger der Gastgeber durfte nicht mehr an eine Wende glauben. Und so begann die zweite Hälfte, wie die erste geendet hatte. Waldperlach kämpfte trotz des aussichtslosen Spielstands aufopferungsvoll weiter, die Garchinger Jungs hielten erfolgreich dagegen, wobei sie zusätzlich immer wieder spielerische Akzente setzen konnten. Die nun fälligen weiteren fünf Garchinger Treffer waren eine logische Folge der immer stärker zutage tretenden Überlegenheit, und teilweise das Resultat von wunderbaren Spielzügen, wie sie die Garchinger in dieser Saison noch nicht gezeigt hatten. Die kleine Unaufmerksamkeit in der Abwehr, die mit dem zwischenzeitlichen 1:4 die Schönheit des Resultats leicht trübte, darf man angesichts der Leistung in den restlichen 69 Minuten getrost vergessen.

Die letzte halbe Stunde, so schien es, waren die Garchinger Jungs nur noch unterwegs, um der leider spärlichen Zuschauerkulisse zu demonstrieren, welch schönen Fußball sie spielen können. Es war stellenweise eine Augenweide zu sehen, wie mit schnellen, klugen und genauen Passfolgen in den gegnerischen Strafraum kombiniert wurde, wie einzelne Spieler ihre technischen Fähigkeiten vorführten und immer wieder zu gefährlichen Abschlüssen kamen. Dass daraus nicht immer ein Treffer wurde, störte die Betrachter nun nicht mehr. Die waren zu sehr damit beschäftigt, sich die Augen zu reiben angesichts der Art und Weise, wie Garching den Gegner schwindlig spielte.

Die letzten zehn Minuten hatten nun den Charakter eines gehobenen Trainingsspielchens. Garching zauberte, Waldperlach hatte nichts mehr entgegenzusetzen, wenn der Ball durch die Reihen der Gäste zirkulierte und die überforderten Gastgeber kaum noch dazu kamen, dem Ballführenden hinterherzulaufen. Und hier ist die dritte und vierte positive Nachricht zu vermelden: Kampfgeist, spielerisches Können und Ballfertigkeit verschmolzen an diesem Sonntag mit Spielintelligenz und Spielwitz. Wer von den Angehörigen und Anhängern gemeint hatte, zwischen zehn und zwölf einer anderen, vielleicht einer der oben angesprochenen Beschäftigungen nachgehen zu müssen und deshalb dieses fußballerische Highlight der U 14 verpasst hat, ist selber schuld.

Es ist schwierig, angesichts der Garchinger Leistung in diesem Match nicht ins Schwärmen zu geraten. Natürlich gab es auch an diesem Tag Schwächen, nicht alle Spieler erreichten das hohe Niveau, das diese Mannschaft aufwies. Daneben stellt sich bei der allumfassenden Überlegenheit der Garchinger die Frage, ob sie wirklich so stark waren, wie es das Ergebnis ausdrückt, oder ob Waldperlach für die Gäste aus dem Norden einfach viel zu schwach antrat. Heute ist die Antwort definitiv kein Zwar-Aber. Heute weist das Pendel eindeutig in eine einzige Richtung: Die U14 des VfR zeigte an diesem Sonntag mit Abstand ihr bestes Spiel der Saison.