Wir sind wieder da. Endlich!

231 lange Tage ist es nun her, dass die neue U 15 zum letzten Mal gegen eine andere Mannschaft angetreten war, 231 Tage hatte Corona das fußballerische Leben der Jungs gelähmt, hatte lange Zeit das Training verunmöglicht, das zwischendurch ersetzt wurde durch Fernübungen ohne Kontakt zu Mitspielern und Trainern. Dauerhafte Unsicherheit beherrschte die Frage, wann der Spielbetrieb endlich wieder losgehen würde, Homeschooling und sporadischer Präsenzunterricht dominierten den wenig erfreulichen Alltag, der Bewegungsdrang der isolierten Jungs wurde eingeschränkt, und ein gutes halbes Jahr lang waren gestresste und verständlicherweise höchst missmutige Teenager unterwegs – das sind nur einige Aspekte der Schäden, die die Pandemie unter den Kindern und Jugendlichen auch in Garching angerichtet hat. Glücklicherweise ist nun das hoffentlich definitive Ende dieses katastrophalen Zustands absehbar, und alle Jungs, die diese Zeit körperlich, geistig und seelisch gesund überstanden haben und zu diesem ersten Spiel seit Langem angetreten sind, dürfen sich als Sieger fühlen, egal in welchem der beiden Teams und unabhängig vom Ergebnis.

Doch nun zum Testspiel selbst, dem vom Anpfiff an anzusehen war, dass es Covid 19 nicht gelungen war, den Jungs die Freude am Spiel und den Siegeswillen zu nehmen. Der Strategie des neuen Trainers entsprechend, sich bei den Vorbereitungsspielen ausschließlich auf starke beziehungsweise sehr starke Gegner zu konzentrieren, war an diesem Samstag der Kirchheimer SC zu Gast, der bis zum Saisonabbruch im Oktober des vergangenen Jahres ungeschlagen die Tabelle der Kreisliga angeführt hatte. Jetzt musste es sich zeigen, ob die intensive Vorbereitung der letzten Wochen die Früchte gezeitigt hatte, die Spieler, Trainer und Zuschauer erwartet hatten. Soviel war sicher: Cheftrainer Erik Forvald und sein Team hatten eine äußerst spielstarke Truppe zusammengestellt, die auf allen Positionen doppelt besetzt war. Eigentlich durfte jetzt nichts mehr schiefgehen, obwohl man damit rechnen musste, dass sich auch die Kirchheimer in den letzten Wochen nicht auf vergangenen Lorbeeren ausgeruht hatten.

Und tatsächlich: Garching traf auf das kampfstarke, ballsichere, körperlich beeindruckende und über weite Strecken kombinationssichere Team, das man erwartet hatte. Und so gingen beide Mannschaften von Anfang an in die Vollen, vorsichtiges Abwarten war nicht angesagt. Kirchheim erspielte sich in den ersten Minuten ein leichtes Chancenplus, ohne zunächst für das Tor der Gastgeber gefährlich zu werden. Anders die Garchinger: Ein im vorderen Mittelfeld abgefangener Pass des Gegners wurde in der 13. Minute schnell und zielsicher in die Spitze gespielt und souverän aus circa zehn Metern verwandelt. Ein sehenswerter Sololauf eines Mittelfeldspielers, der alle Gegenspieler wie Slalomstangen hinter sich ließ und der selbst dem gegnerischen Trainerteam ein bewunderndes Raunen entlockte, war leider nicht von dem Erfolg gekrönt, den er verdient gehabt hätte.

Nun war die Reihe an den Gästen, die immer wieder gegen das Tor der Garchinger anrannten. Doch vor allem der während der gesamten Partie fehlerfrei spielende Torhüter der Heimmannschaft, der mit seinen großartigen Paraden den Vorsprung seines Teams festhielt, sowie die Unfähigkeit der Kirchheimer, selbst die beste Chance der Begegnung zu einem Treffer zu nutzen, sorgten dafür, dass die Garchinger Jungs die Führung in die Halbzeitpause mitnehmen konnten.

Dann kam die zweite Hälfte und mit ihr eine Reihe von Auswechslungen und dadurch bedingte Umstellungen im Garchinger Team. Mit einem Schlag war die Spielfreude verschwunden, die die Jungs vierzig Minuten lang ausgezeichnet hatte. Die Pässe landeten beim Gegner, das Mittelfeld ließ sich weit zurückfallen, die Zweikämpfe gingen zumeist verloren und im Spiel nach vorne sah’s zappenduster aus. Fünfzehn Minuten lieferten die Jungs eine erbitterte Abwehrschlacht, und die Zuschauer, die mit der Heimmannschaft mitfieberten, ahnten Böses. Doch immer wieder gelang es den Garchingern, ein Bein zwischen die Schussversuche der Angreifer zu bringen und so den Vorsprung zu halten.

Zu aller Überraschung waren es dann nicht die Kirchheimer, die den nächsten Treffer erzielten, sondern Garching gelang es bei einem der seltenen Gegenstöße den Ball mit Hilfe des etwas unsicher wirkenden Kirchheimer Torhüters hinter die Linie zu befördern. 2:0, der Sieg schien nun greifbar, zumal die neuerlichen Umstellungen im Team ein Stück Garchinger Souveränität und Überlegenheit zurückbrachten. Die Gastgeber ließen auch weiterhin hinten nichts anbrennen und entwickelten wieder ihren Drang nach vorne, der sie bereits zu Beginn des Spiels ausgezeichnet hatte.

Als der gute und fehlerfrei wirkende Unparteiische das trotz der einen oder anderen gelben Karte insgesamt faire Match beendete, ging das, um mit den Worten des Trainers zu sprechen, „kaltschnäuzigere“ Team als Sieger vom Platz. Die neue und nicht unwesentlich umgestaltete U 15 aus Garching hatte Kirchheim ein über weite Strecken ausgeglichenes Spiel geliefert, mit dem besseren Ende für die Gastgeber, die sich im Unterschied zu den Gästen in der Lage zeigten, die wenigen Torchancen zu verwerten.
Zweifelsohne: Die Garchinger können mehr, als sie an diesem Samstag gezeigt haben. Wenn es den Trainern gelingt, manchen Akteuren die teilweise vorhandene und völlig unnötige Nervosität zu nehmen und die Spieler es schaffen, die Souveränität auf den Platz zu bringen, die sie bei ihren Trainingsspielen immer wieder demonstriert haben, dann hat dieses Team eine vielversprechende Zukunft vor sich. Der Trainerstab wird daran arbeiten.