Gastgeschenke im Übermaß

Es hätte ein schöner Sonntagnachmittag werden können, nach siebenmonatiger Spielpause in der Liga und einem durch Corona verspäteten Saisonstart, wenn die Garchinger Jungs es nicht geschafft hätten, trotz eines von Anfang an überlegen geführten Spiels zwei Punkte beim Gegner im Westen von München liegenzulassen.

Dabei war von vornherein klar, dass Garching nicht mehr auf die Mannschaft treffen würde, die in der letzten Saison zum Prügelknaben der Liga geworden und nur durch den vorzeitigen Saisonabbruch dem Abstieg entgangen war. Inzwischen hatte sich die Waldtruderinger U 14 mit Haar zu einer Spielgemeinschaft zusammengeschlossen und sich damit deutlich verstärkt. Dadurch und aufgrund ihres Auftaktsiegs gegen die Sportfreunde fuhr man gewarnt nach Haar, allerdings nicht nachhaltig genug. Denn innerhalb von acht Minuten erzielte die Spielgemeinschaft zwei Tore gegen eine Garchinger Abwehr, die sich anscheinend noch im Tiefschlaf befand. Zunächst ließ man den Angreifer aus dem linken Halbfeld ungestört zum Schuss kommen. Der nahm das Angebot freudig an und versenkte das Spielgerät dankbar über den Torhüter hinweg zum Führungstreffer.

Als Garching drei Minuten später nach einer schönen Einzelleistung den Ausgleichstreffer erzielte, war das Team wieder in der Spur, dachte zumindest der mitgereiste Anhang, allerdings gerade mal drei Minuten lang. Denn da bescherte die Garchinger Abwehr dem Gastgeber das zweite Gastgeschenk: Die Verteidiger schossen sich gegenseitig an und machten damit den Weg frei für den Schützen, der wiederum den Ball zwischen Torhüter und Querlatte platzierte.

Was nun folgte, könnte man als Marathon der verpassten Chancen bezeichnen. Ein Garchinger Angriff folgte auf den anderen, das Mittelfeld setzte die Stürmer klug in Szene und die Finger der Hände eines gesunden Menschen reichen nicht aus, um darzustellen, wie oft ein Garchinger Stürmer frei vor dem Torhüter auftauchte. Schüsse verfehlten knapp ihr Ziel und der Gästetorwart konnte sich ein ums andere Mal durch Paraden auszeichnen. Es war, als wollten es die Stürmer ihren Verteidigern gleich tun und bei den Gastgebern, die inzwischen so gut wie gar nicht mehr offensiv auftauchten, den besten Eindruck hinterlassen. Die Garchinger gewannen alle Zweikämpfe, drängten unablässig auf den Ausgleichtreffer, doch trotz dieser Überlegenheit in allen Belangen, die ein Fußballspiel kennt, ging es mit dem Rückstand in die Pause.

Danach lief das Match genauso weiter. Wieder vielversprechende Garchinger Angriffe, von links, von rechts und durch die Mitte. Dann, Mitte der zweiten Hälfte, endlich die Erlösung: Nach einem Foul im Strafraum der Gastgeber zeigte der Unparteiische auf den Elfmeterpunkt. Nachdem der fällige Strafstoß überzeugend verwandelt worden war, nahm der Gedanke langsam Realität an, dass man dieses Match auch gewinnen könnte. Garching spielte nun voll auf Sieg, erspielte sich wiederum Chance um Chance und schoss nach einer Energieleistung eines Stürmers den mehr als verdienten Führungstreffer.

Der unbedingte Siegeswille und das Bestreben, die Führung auszubauen, führten dazu, dass Garching nun ab und an die Abwehr vernachlässigte und den Gegner zeitweise ins Spiel kommen ließ. Das Gefühl der Zuschauer, dass dieser Sieg noch nicht in trockenen Tüchern war, sollte sich kurz vor Spielende bestätigen. Zwar brachten die Gastgeber in der zweiten Hälfte keinen einzigen vernünftigen Angriff zuwege, doch ein harmloser Freistoß, der höchst unglücklich seinen Weg ins Tor fand, markierte das Endergebnis dieser denkwürdigen Begegnung, die von einer unterirdischen Chancenverwertung der Garchinger Angreifer und von Gastgeschenken der Gästeabwehr geprägt war

Kein Wunder, dass die Garchinger Spieler nach dem Abpfiff die Köpfe hängen ließen und mit ausdruckslosen Gesichtern das Stadion in Haar verließen. Und auch bei den Eltern und anderen Anverwandten war die Enttäuschung so groß, dass es ihnen sichtlich schwerfiel, die Akteure zu trösten.

Jetzt heißt es, die Jungs schnellstmöglich wieder aufzubauen. Obwohl sich das Unentschieden in Haar wie eine Niederlage anfühlt und gewiss auch höchst ärgerlich ist, haben Kampfgeist, Leidenschaft, Technik und Siegeswillen der U 14 gezeigt, dass sie in der neuen Liga erfolgreich mithalten können. Darauf lässt sich aufbauen.