Der nächste Schritt

Wenn der Letzte der Tabelle beim Zweitplatzierten antritt, dann ist ein klares Ergebnis Formsache, sollte man meinen. Doch Vorsicht: Gerade im Fußball kommt es oft anders als man denkt, und außerdem muss auch ein Gegner, der zwar in drei Spielen 23 Tore hinnehmen musste, erst mal geschlagen werden, vor allem, wenn er, wie zu hören war, erstmalig ohne angeschlagene Spieler antreten konnte.

Es dauerte genau eine Viertelstunde, bis Klarheit auf dem Feld herrschte. Bis dahin hatte Garching zwar überlegen gespielt und bereits nach 10 Minuten mit 2:0 geführt, sich auf der anderen Seite jedoch eine Reihe individueller Abwehrfehler geleistet, die leicht ins Auge hätten gehen können. Manche gegnerische Angreifer hätten solche Gelegenheiten mit Freuden ausgenützt. Doch als nach fünfzehn Minuten der dritte Treffer fiel, hatten die Gastgeber endgültig die Oberhand gewonnen. Von nun an spielte nur noch eine Mannschaft und die Gäste mussten das Angreifen aufgeben, da Garching immer stärkeren Druck entwickelte. Wie schon in vorhergehenden Matches liefen viele Angriffe insbesondere über die aufs Neue sehr starke linke Angriffsseite, die sich immer wieder durchsetzen konnte und wesentlich zum späteren Halbzeitergebnis von 7:0 beitrug.

In den zweiten zwanzig Minuten der ersten Hälfte war Garching nun den Sportfreunden in jeder Beziehung überlegen. Die Hausherren waren zweikampfstärker, gedanklich und läuferisch schneller, passsicherer und auch technisch den Gästen weit voraus, die sich aber trotz ihrer offensichtlichen Unterlegenheit nicht aufs Mauern verstiegen, sondern weiterhin tapfer versuchten, nach vorne zu spielen. Vielleicht war das der Grund dafür, dass die Zuschauer ein in der ersten Hälfte schön anzusehendes Match verfolgen konnten, auch wenn die die Versuche der Sportfreunde, nach vorne zu agieren, meist weit vor der Mittellinie endeten, während der Ball flüssig durch die Garchinger Reihen lief und immer wieder Bekanntschaft mit dem Tornetz der Sportfreunde machte.

Die einen freuten sich bereits darauf, die anderen, aus Giesing, dem tiefen Süden Münchens Angereisten, befürchteten es für die zweite Hälfte: Das Endergebnis würde mit Sicherheit zweistellig werden. So wäre es auch wohl gekommen, wenn nicht zumindest drei Faktoren dafür gesorgt hätten, dass das Resultat dann doch noch relativ moderat ausfiel. Zum einen spielten die Garchinger Leistungsträger, also die, die in der ersten Hälfte Dreh- und Angelpunkt der Begegnung gewesen waren, nun immer unauffälliger, sodass das bisher flüssige Spiel der Gastgeber ins Stocken geriet. Möglicherweise war das der Grund dafür, dass – so der zweite Faktor – die Gäste zeigen konnten, dass auch sie Fußball spielen können und häufiger die Nähe des gegnerischen Strafraums suchten. Mit Erfolg, das zwischenzeitliche 1:7 war abzusehen und nicht ganz unverdient, während Garching in den letzten 35 Minuten zu gerade mal zwei Treffern kam. Der dritte Faktor hat hier seinen Grund: Während die Heimmannschaft in der ersten Hälfte eine sehr zufriedenstellende Torausbeute vorweisen konnte, war die zweite geprägt von einem Mangel, der das Team immer wieder einmal begleitet: Mit den ausgelassenen guten Torchancen hätten die Jungs des VfR noch gut zwei weitere Spiele gewinnen können.

Aber man soll nicht gierig werden. Ein 9:1 ist ein schönes Geschenk und ein für das Torverhältnis ausgezeichnetes Ergebnis, das vielleicht noch einmal wichtig wird. So gesehen zeigte der 18. Oktober der Garchinger U 14 sein freundliches Gesicht