Drei Härtetests am heißen Wochenende

Was tun, wenn man sich angesichts der Hitze am liebsten in einem wohltemperierten Raum mit kühlen Getränken verkriechen würde? Für Trainer und Spieler der Garchinger U 15 keine Frage: Raus zu den Testspielen Nummer zwei, drei und vier. Eltern und Anhang der Jungs mussten wohl oder übel folgen, an den Nachmittagen wieder hinter die äußerst störenden Gitter des Garchinger Sportplatzes und am Sonntagvormittag zur Spielstätte der Nachbargemeinde Ismaning. Danach war verlängerte Mittagspause und ausreichend Zeit für die Rückkehr der Karawane nach Garching, bevor es um 17.00 Uhr mit dem Match gegen 1860 München zum Höhepunkt des Wochenendes kam. Zumindest die Anreisezeit hielt sich für die meisten Beteiligten also in Grenzen, im Gegensatz zu dem Schweiß, den die Beobachter am Spielfeldrand allein beim Zuschauen vergossen. Die Jungs hingegen zeigten sich immun gegen die unaufhörlich brennende Sonne und taten, was man von ihnen erwartete: Ball und Gegner kontrollieren und allen demonstrieren, welche Resultate Talent, Training und viel Fleiß bei fußballbegeisterten Jungs zeitigen können.

Teil 1: U15 – SC Fürstenfeldbruck 6:1 (4:1)
Klare Sache

Zugegeben: Die Fürstenfelder U 15 war aufgrund des einen oder anderen Verletzten nicht mit ihrer besten Truppe angereist. Auch dass sie in manchen Phasen des Spiels mit zehn, einmal sogar mit neun Spielern auf dem Feld stand, trifft zu. Trotz dieser Handicaps hatte man erwartet, dass die Brucker deutlich stärker beim zweiten Testspiel auftreten würden, zumal die Garchinger dem Bezirksoberligisten fair entgegenkamen und in den entsprechenden Situationen ebenfalls einen Spieler vom Platz nahmen.
Die ausgeglichene Spieleranzahl führte allerdings nicht zu einem ausgeglichenen Spielverlauf. Von Anfang an übernahmen die Hausherren das Kommando auf dem Platz und banden die Gäste in deren Hälfte. Ganze zehn Minuten dauerte es, bis Fürstenfeldbruck zum ersten Angriff in Richtung des gegnerischen Strafraums aufbrach und, begünstigt durch das lasche Eingreifen zweier Verteidiger, das völlig unerwartete Führungstor erzielte. Das war, soviel vorweg, der einzige Höhepunkt im Spiel der Gäste, und die Brucker BOL-Herrlichkeit war zu Ende, bevor sie richtig begonnen hatte.
Die Garchinger Spieler schienen nämlich überhaupt nicht beeindruckt, hielten an ihrer Linie fest und belagerten die Brucker Spielhälfte, so dass die in den kommenden zwanzig Minuten erzielten vier Treffer durch die üblichen Verdächtigen eine logische Folge der großen Garchinger Überlegenheit waren.
An der änderte sich auch nichts, als nach der Pause eine völlig veränderte Garchinger Mannschaft auf dem Platz stand. Das neue Personal machte nämlich dort weiter, wo die Anfangsformation angefangen hatte. Fürstenfeldbruck hatte nun fast alle Angriffsbemühungen aufgegeben, versuchte das Spiel zu beruhigen und sich den Ball im und um den eigenen Strafraum zuzuspielen. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Immer wieder produzierte das Garchinger Forechecking einen Ballverlust, der dann auch zu zwei Treffern der Gastgeber genutzt wurde.
Trotz der unübersehbaren Schwäche der Gäste und der damit einhergehenden eher matten Herausforderung für die Gastgeber lässt sich das eine oder andere Resümee über die Leistungsfähigkeit des Heimteams ziehen: Abgesehen vom Lapsus, der zum Gegentreffer führte, erledigte die Abwehr ihre Aufgabe ausgezeichnet, ebenso wie das souveräne Mittelfeld, das in diesem Match von Defensivaufgaben weitgehend befreit war. Das Spiel über die Flügel klappte im Vergleich zum vorigen Testspiel schon sehr viel besser und der bedauernswerte Torwart, der einmal schuldlos hinter sich greifen musste, konnte mangels Gelegenheit seine Form nicht beweisen. Tatsächlich gab es während des gesamten Spiels keinen Angriff mehr, bei dem der Torhüter hätte eingreifen müssen. Eine kritische Anmerkung muss dennoch sein: Die vielen in der zweiten Hälfte ausgelassenen Torchancen können sich bei einem engeren Spielstand und einem anderen Gegner durchaus rächen.
„Die wirkliche Herausforderung der Garchinger war heute nicht der harmlose SC Fürstenfeldbruck, sondern die feuchte Hitze“, war von einer Zuschauerin am Spielfeldrand zu vernehmen. Das ist zweifellos sehr übertrieben. Der schwere Gegner, den man erwartet hatte, war der SC andererseits jedoch auch nicht. Aber auch einem solchen Team müssen erst einmal die Grenzen aufgezeigt werden, und wie sich Ismaning vorbereitet hat, wird man sehen. Aber spätestens mit den Sechzigern zum dritten Teil der Wochenendtriologie kommt garantiert auch spielerisch eine andere Liga zu Besuch nach Garching.

Teil 2: FC Ismaning – U15 1:2 (1:0)
Gute Nachbarn

Als im Oktober 2020 der Spielbetrieb abgebrochen wurde, beendete der FC Ismaning die Saison zwei Plätze hinter Garching, zu einem direkten Vergleich hatte es Corona damals nicht mehr kommen lassen. Jetzt, wo die Infektionszahlen deutlich gesunken sind, konnte das Nachbarschaftsduell im Rahmen eines Testspiels mit gehöriger Verspätung nachgeholt werden, allerdings unter ziemlich veränderten Bedingungen, denn das Gesicht der U15 des VfR Garching hatte sich in den vergangenen Wochen deutlich gewandelt.
Wer allerdings auf gutnachbarschaftliche Gastgeschenke spekuliert hatte, sah sich enttäuscht. Mit den Ismaninger Jungs trat eine äußerst gut organisierte und kombinationssichere Mannschaft an, die unsere Garchinger immer wieder in Schwierigkeiten brachte. Letztere erschienen dagegen müde und so unkonzentriert, wie man sie noch nicht erlebt hatte. Während die Ismaninger munter kombinierten und kurz nach Beginn der Partie einen Freistoßtreffer erzielten, häuften sich auf der anderen Seite ungewohnt viele Abspielfehler, verlorene Zweikämpfe und aussichtslose Dribblings. Das Spiel nach vorne fand kaum statt und die Abwehrreihe musste einige Male in größter Not retten.
Der Grund für das zerfahrene Garchinger Spiel war sicher nicht, dass beim Spielanpfiff nicht die gewohnte Startformation auf dem Platz stand. Die Trainer taten das, wofür Testspiele im Wesentlichen da sind, nämlich verschiedene Spieler in verschiedenen Kombinationen auszuprobieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die entscheidende Erkenntnis an diesem Tag ist, dass eine ganze Reihe von Spielern nicht die Leistung erbracht hat, die man von ihnen gewohnt ist.
Je länger das Spiel dauerte, desto mutiger spielten zunächst nun die Gäste aus Garching und kamen gegen Ende der ersten Hälfte zu teilweise guten Chancen. Bei Wiederanpfiff nach der Pause stand erwartungsgemäß wieder ein völlig verändertes Gästeteam auf dem Platz, das auch bald nach einer Ecke den Ausgleich erzielen konnte. Nach neuerlichen Wechseln fiel dann Mitte der zweiten Halbzeit der Führungstreffer der Garchinger.
Wer gedacht hatte, dass es nun aufwärts gehe, sah sich neuerlich enttäuscht. Haarsträubende Abspielfehler in der Abwehr brachten die Ismaninger regelmäßig in aussichtsreiche Positionen, glücklicherweise scheiterten sie jedoch immer wieder an ihrer mangelnden Torgefährlichkeit oder an der einen oder anderen guten Abwehr des Torhüters.
Ismaning spielte über weite Strecken kombinationsstark und gefälliger als die Nachbarn im Westen. Auf der anderen Seite waren die Garchinger trotz der weit über das von ihnen gewohnte Maß hinausgehenden Schwächen die letztlich überlegene Mannschaft, die deshalb auch zu Recht den Sieg davontrug.

Teil 3: U15 – TSV 1860 München 1:6 (0:2) (1:1) (0:3)
Kein Grund zur Trauer

Man muss kein ausgewiesener Fußballexperte sein, um zu wissen, was auf einen zukommt, wenn man gegen die hinter Bayern München beste Juniorenmannschaft in Bayern antritt. Alle Spieler der jungen Sechziger verfügen über große individuelle Klasse, ausgezeichnete Technik, Spielübersicht, Zweikampfstärke, Schnelligkeit und alles andere, was gute Fußballer ausmacht. Wenn dann noch die richtige Motivation dazukommt, weil sie gegen Garching ihr erstes Spiel nach Corona bestritten, dann gibt es zwischen Spessart und Karwendel kaum ein Team, das dem Druck aus Giesing dauerhaft standhalten kann.
So gesehen ist die auf den ersten Blick deftige Niederlage der Garchinger U15 überhaupt kein Beinbruch. Den Jungs in Schwarz-Weiß gelang es über lange Zeit, das Match relativ offen zu halten. Im ersten Drittel des Spiels sorgte ein dummes Billard-Tor für Ärger bei den Gastgebern. Die zweiten 25 Minuten konnten die Garchinger sogar ausgeglichen gestalten: Nach einem unerlaubten Rückpass der Löwen zum Torhüter donnerte der Schütze des sich anschließenden Freistoßes das Spielgerät aus wenigen Metern souverän unter die Latte zum zwischenzeitlichen 1:3, eine Übung, an der schon so mancher Bundesligastürmer gescheitert ist. Die vorsichtige Wechselstrategie des Trainers sorgte für Kontinuität auf dem Platz, und mit großem Einsatz stemmten sich die Garchinger gegen die sich abzeichnende Niederlage und bewiesen, dass sie nicht gewillt waren, sich einfach der Überlegenheit der Hauptstädter zu beugen.
Das letzte Drittel war bestimmt von einem sich immer deutlicher abzeichnenden Kräfteverlust der Garchinger und dadurch einem zunehmenden Verlust an Konzentration und Ballkontrolle, was dann auch zu dem deutlichen Resultat führte – kein Wunder, denn die Begegnung am späten Sonntagnachmittag war ja das inzwischen dritte Match des Wochenendes. Natürlich hätten sich Betreuer und Spieler die jungen Löwen zu einem günstigeren Zeitpunkt gewünscht, doch die nicht häufig auftretende Gelegenheit, so der Trainer, gegen einen Bundesligisten anzutreten, durfte man einfach nicht verpassen.
Insbesondere die Spielweise in ersten beiden Dritteln sollten die Garchinger U15 zum Anlass nehmen, positive Lehren aus der Niederlage zu ziehen. Außerdem liest sich die Bilanz der vier Testspiele sehr ermunternd: Immerhin stehen der sonntäglichen Niederlage drei Siege gegen Mannschaften entgegen, die auch nicht, wie der gestandene Bayer sich ausdrückt, auf der Brennsuppe dahergeschwommen sind. Also Kopf hoch Jungs, das habt ihr gut gemacht!