Fußballschlacht im dichten Nebel

Murnau, ein ausgesprochen hübsches Städtchen im Alpenvorland, das nahe einer Seenlandschaft liegt, ist zu jeder Jahreszeit eine Tagesreise wert. So auch für die Garchinger U15, die sich an diesem Wochenende auf den Weg Richtung Süden machte. Allerdings nicht, um durch die nette Murnauer Fußgängerzone zu bummeln, sondern um dem dort ansässigen Bayernligisten Paroli zu bieten. Respekt war angesagt, Angst vor dem höherklassigen Gegner – nix da!

Der Novembernebel lag schon schwer auf dem Spielfeld, als der Schiedsrichter das Match anpfiff. Ob es an der schlechten Sicht lag, dass nach wenigen Minuten einem Abwehrspieler ein Rückpass zum Torhüter zu kurz geriet, ist nicht belegt. Jedenfalls legte ein Garchinger Angreifer den Ball reaktionsschnell und quicklebendig am Keeper vorbei und schob ihn zum Führungstor für die Gäste ein.

Wer jetzt erwartet hatte, dass die Bayernligisten groß aufspielen würden, sah sich getäuscht. Der Garchinger Abwehr gelang es immer wieder, die Angriffsversuche der Murnauer schon vor dem Strafraum abzufangen, während die Gästestürmer die weit gefährlicheren Torannäherungen für sich verbuchen konnten. So auch nach circa 20 Minuten, als ein fein getimter Pass in die Spitze den Torhüter zwang, dem Angreifer entgegenzulaufen, der jedoch um den Deut früher am Ball war, der es ihm erlaubte, ihn aus 16 Metern über den unglücklich Aussehenden zielsicher ins Netz zu heben und seinen zweiten Treffer zu erzielen.

„Irgendwann müssen die Murnauer doch mal kommen und zeigen, warum sie eine Liga höher spielen“, dachten nicht nur die einheimischen Zuschauer. Die versuchten alles, schafften es allerdings nicht, sich gegen vorbildlich kämpfende Garchinger wirkliche Chancen zu erspielen; der Strafraum der Gäste blieb während der gesamten Spielzeit eine Art Tabuzone für die Gastgeber. Lediglich durch den Nachschuss nach einem Freistoß, den der Garchinger Torhüter nur knapp abwehren konnte, gelang den Jungs aus Murnau der Anschlusstreffer.

Nach der Pause wurde das Flutlicht zugeschaltet, nachdem der Nebel immer dichter geworden war. Fahles, milchiges und schauriges Licht legte sich nun auf den Platz, während die Kälte des Spätherbsts in alle Ritzen der Kleidung kroch. Die Spieler des VfR behielten jedoch den Durchblick, und auch die frostige Temperatur tat ihrer Spielfreude keinen Abbruch: Murnau versuchte immer wieder vergeblich, vernünftige Angriffe aufzuziehen, während Garching dem Gastgeber vorführte, wie man schnell und effektiv zu besten Torchancen kommt. Eine davon nutzte ein Stürmer mit einem platzierten Schuss in die untere rechte Ecke des Murnauer Gehäuses zum 3:1. Die nun fälligen Auswechslungen auf Garchinger Seite änderten nichts am Spielverlauf: Das Spiel des Bayernligisten blieb immer wieder in der Abwehr hängen, die Gäste trugen einen erfolgversprechenden Angriff nach dem anderen vor. Dann konnten die angereisten Zuschauer die wohl erfreulichste Szene der Begegnung miterleben: Der Garchinger Stürmer, der monatelang verletzt war und während der ganzen Vorrunde kein einziges Spiel bestreiten konnte, war wieder da und erzielte nach langer Zeit wieder einen Treffer – und was für einen schönen! Es gab ganz gewiss keinen Garchinger Akteur und Zuschauer, der sich nicht mit diesem Spieler freute.

Ein 4:1 Sieg, eine auf allen Positionen mit vollem Einsatz und teilweise außergewöhnlich schönen Spielzügen absolvierte Partie und bestgelaunte Garchinger Spieler: Murnau ist wirklich eine Tagesreise wert.