Heftiger Gegenwind

Dass es nicht leicht werden würde im Spitzenspiel des Zweiten gegen den Dritten in der Kreisliga 1, war von vornherein klar. Mit Heimstetten war eine Mannschaft angereist, die ganz andere Fähigkeiten demonstrierte als alle, gegen die die Garchinger in dieser Saison bereits angetreten waren. Dass das Fazit aus Garchinger Sicht, vorsichtig ausgedrückt, allerdings so bescheiden ausfallen würde, dass im Prinzip nur zwei positive Meldungen übrig bleiben, war nicht unbedingt zu erwarten: Zum einen zeichneten sich die Jungs des Heimteams durch ihre Kampfbereitschaft aus, und zweitens stand am Ende ein Unentschieden, zu dem sich Garching in den letzten Minuten buchstäblich hinzitterte.

Wenn man die rosarote Vereinsbrille für einen Moment beiseitelegt, so muss man eingestehen, dass die Gäste aus Heimstetten der Garchinger U 14 in der ersten Hälfte in jeder Beziehung überlegen waren – fast in jeder Beziehung, denn Heimstetten war nicht in der Lage, sich aus ihrer großen Überlegenheit klare Torchancen zu erarbeiten. Die Gäste verfügten über die bessere Raumaufteilung, kombinierten so, wie man es gerne von Garching gesehen hätte, zeigten ihre individuelle Klasse am Ball und im Stellungsspiel, verhielten sich clever in den Zweikämpfen und beschäftigten die Gastgeber über weite Strecken in der eigenen Hälfte.

Dagegen war die Heimmannschaft im Vergleich zu den Spielen zuvor nicht wiederzuerkennen. Das Flügelspiel fand nicht statt, aus dem Mittelfeld kam absolut nichts Kreatives und relativ einfache Zuspiele fanden immer wieder den Weg zu den Gegenspielern. Wenn sie einmal den Ball erobert hatten, wurde er, nachdem man eingesehen hatte, dass das Kombinationspiel nicht funktionierte, relativ ziellos nach vorne geschlagen und kam von den ballsicheren Heimstettenern zumeist postwendend wieder zurück. Die vielen Garchinger Fouls waren das Resultat davon, dass Heimstetten gedanklich und läuferisch fixer und von den oft zu langsamen Gegenspielern nur mit unerlaubten Mitteln zu stoppen war.

Dennoch: Richtige Chancen hatten in der ersten Hälfte Seltenheitswert. Genau genommen war ein Garchinger Angriff über links und die sich anschließende Flanke, an der der Stürmer nur knapp vorbeirutschte, die beste Möglichkeit, die das Spiel in den ersten 35 Minuten zu bieten hatte. Ansonsten konnten die Zuschauer nur das eindeutig überlegene Agieren der Gäste und deren Unfähigkeit beobachten, sie in Tore umzumünzen, und die ziemliche Hilflosigkeit der Garchinger, selbst aktiv die Begegnung zu gestalten. Mitten in diese für beide Seiten wenig zufriedenstellende Lage erklang in der 25. Minute der Elfmeterpfiff des Unparteiischen, nachdem ein Heimstettener im gegnerischen Strafraum gefoult worden war. Der anschließende Treffer war hochverdient, wirkte sich allerdings weder förderlich auf die Torgefährlichkeit der Gäste aus noch rief er beim Gastgeber eine Trotzreaktion hervor: Heimstetten spielte, kam zu einem Eckball nach dem anderen und Garching hielt tapfer dagegen, so gut es ging.

Die zweite Halbzeit zeigte zunächst ein anderes Bild. Garching hatte das Zentrum auf Kosten eines Flügels verstärkt und die Abwehr stand nun höher. Die Folge davon war, dass Heimstetten zehn Minuten lang kaum Anspielstationen nach vorne fand. In der nächsten Phase gelang es Garching immer öfter, das gegnerische Aufbauspiel zu stören und selbst einmal die Initiative zu ergreifen. Ein sehenswerter Freistoß von halblinks an die Latte wirkte wie eine Initialzündung für die Gastgeber, die jetzt gleichwertig spielten. Der Lohn: Als im Getümmel ein Garchinger Stürmer zu Fall kam, entschied der Schiedsrichter nach 51 Minuten erneut auf Strafstoß, dieses Mal allerdings für das Heimteam. Nachdem der sicher verwandelt worden war und die Zuschauer, sofern sie Anhänger der Garchinger Mannschaft waren, auf ein Aufbäumen ihres Teams gehofft hatten, erlosch das zwischenzeitliche Strohfeuer jäh und Garching wurde wieder in die Defensive gedrückt. Die letzten 10 Minuten sorgten angesichts des Heimstettener Drucks dann noch einmal für ein Höchstmaß an Spannung, verbunden mit dem Zittern der Garchinger Zuschauer und den flehentlichen Blicken auf die Uhr, deren Zeiger sich viel zu langsam in Richtung des erlösenden Abpfiffs bewegten.

Dann war Schluss. Zurück blieben maßlos enttäuschte Heimstettener Spieler und auf der anderen Seite Garchinger, denen das Ergebnis wie ein Sieg erscheinen musste. Aber Unentschieden hin oder her: Die U 14 des SV Heimstetten hatte an diesem Tag den Garchingern deutlich ihre Grenzen aufgezeigt, auch wenn es sicherlich richtig ist, dass die Heimmannschaft nicht ihren besten Tag hatte und nur durch ihre unbedingte Kampfkraft und den großen Einsatz bis zur letzten Sekunde auffallen konnte.