Ein (fast) perfektes Spiel

Lassen wir das Ergebnis für einen Augenblick beiseite, obwohl ein 9:0 natürlich auch eine ganze Menge über den Spielverlauf erzählt. Lassen wir ebenfalls beiseite, dass die Garchinger U15 gegen eine Moosacher U16 antrat, bei der auch Spieler dabei waren, die teilweise sogar zwei Jahre älter und dementsprechend kräftiger waren als unsere Jungs. Betrachten wir für einen Moment nur die Art und Weise, wie es der U15 gelang, den B-Junioren die Schranken aufzuzeigen und sie mehr oder weniger zur Hilflosigkeit zu verurteilen.

Natürlich muss man sich bei einem solchen Kantersieg fragen, ob das eine Team so stark oder der Gegner viel zu schwach war. Normalerweise liegt die Antwort irgendwo in der Mitte. Nicht aber in diesen Fall, in diesem Match, in dem die U15 vor allem in der ersten Hälfte zeigte, dass da nicht nur brillante Einzelspieler auf dem Platz standen, sondern dass diese Individuen zu einem Team zusammengefunden haben, das von Anfang bis Ende Spaß macht, wenn wir – es sei vorweggenommen – von der kläglichen Torausbeute in den ersten 40 Minuten absehen.

Der Ball lief durch die Reihen der Garchinger, die Moosacher hechelten hinterher, weil es den Gastgebern gelang, die Gäste erst gar nicht in die Zweikämpfe kommen zu lassen. Und wenn doch, sahen die Moosacher gegen die körperlich deutlich kleineren Hausherren im wahrsten Sinne des Wortes alt aus. Von körperlicher Unterlegenheit war trotz des Altersunterschieds nichts zu bemerken, was aber immer wieder aufschien, war die überlegene Spielintelligenz und der Spielwitz der Gastgeber. Eine tadellose Abwehrleistung ging einher mit cleverem und variablem Mittelfeldspiel, und die Stürmer brachten sich immer wieder in gute Positionen. Viermal, fünfmal, sechsmal wurden die Angreifer perfekt bedient, doch ebenso oft landete der Ball irgendwo in der Garchinger Pampa statt im gegnerischen Netz, wie es die kluge Vorbereitung verdient gehabt hätte. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis dann endlich der erste Treffer fiel. Nummer zwei und drei folgten zögerlich, und als der Schiedsrichter zur Pause pfiff, hatte der Garchinger Torhüter ein einziges Mal den Ball nach einer Rückgabe berührt, Moosach während der höchst seltenen Verirrungen in die Garchinger Hälfte keinen einzigen Torschuss abgegeben und die Gastgeber lagen mit ihren drei Treffern weit unter dem Soll.

Was die Zuschauer in diesen 40 Minuten gesehen hatten, war Fußball vom Feinsten und man war gespannt, wie das Match in der zweiten Halbzeit mit neuem Garchinger Personal weitergehen würde. Es dauerte ein paar Minuten, bis sich das Team gefunden und mit großer Kampfkraft und verbissenem Einsatz das Zepter übernommen hatte. Als dann der vierte Garchinger Treffer fiel, schwand bei den Gästen, die mit lediglich zwölf Mann angetreten waren, mit der Motivation auch die Kraft. Die Garchinger konnten nun auf der Vorleistung ihrer Kollegen in den ersten 40 Minuten aufbauen, die den Gegner so demoralisiert hatten, dass die Akteure der zweiten Hälfte ohne ersichtlich große Mühe die Ernte einfahren konnten. Den sich konsequenterweise einstellenden Moosacher Verlust der Lust am Fußball nutzten die Gastgeber gänzlich frei von falscher Scham und erzielten einen schönen Treffer nach dem anderen.

Der Schlusspfiff musste den deklassierten und entsprechend deprimierten Gästen wie eine Erlösung vorkommen, während die Garchinger U15 mit dem Bewusstsein vom Platz ging, dass man sich auch vor älteren Semestern nicht zu fürchten braucht, sondern sie ziemlich schwindlig spielen kann. Vor allem, wenn man in der Lage ist, eine derart herausragende Leistung abzurufen wie an diesem letzten Sonntag vor den Ferien.