Kampfsieg

Sonntag war Wahltag. Alle, die ihr Kreuzchen für einen Besuch des Sportplatzes an der Schleißheimer Straße in Garching gemacht hatten, lagen hundertprozentig richtig. Die Fußballästheten unter den Zuschauern hätten an diesem strahlenden Spätsommertag natürlich gerne ein schönes Spiel gesehen, sozusagen als entspannten Ausgleich zur Schlammschlacht der Parteien in den letzten Wochen, mit fein herausgespielten Toren, raffinierten Spielzügen, gelungenen Dribblings und andere zum Genießen geeigneten Fußballdelikatessen. Vor die Alternative gestellt, ob sie lieber einer in Schönheit erspielten Niederlage oder einem mit wenig spielerischen Elementen durchsetzten, dafür aber einem mit großer Willenskraft erkämpften Sieg beigewohnt hätten, wäre die Antwort allerdings eindeutig. Deshalb erwartete die Akteure auch nach dem heutigen Match nach durchwachsener Leistung viel Lob – zu Recht, denn der knappe Triumph war trotz aller Probleme, die nicht zu übersehen waren, am Ende verdient.

Wie schon eine Woche zuvor in Traunstein begannen die Garchinger nervös. Mit unschönen und teils unverständlichen Abspielfehlern und technischen Schwächen bei der Ballannahme brachten sie die schwarzgelben Freisinger immer wieder ins Spiel, die aber ihrerseits mit solchen Geschenken wenig anfangen konnten. Die erste Viertelstunde spielte sich eher in der Hälfte der Hausherren ab, die kaum einmal ihre Stürmer in Szene setzen konnten. Das änderte sich jedoch mit zunehmender Spieldauer. Das Spiel der Jungs vom VfR wurde immer druckvoller, die Außenstürmer konnten sich jetzt besser präsentieren und die Abwehr gewann an Sicherheit. Als der Referee zur Pause pfiff, konnten die Gastgeber ein Eckenverhältnis von 8:1 und zwei gute Torchancen vorweisen. Zu mehr reichte es nicht, und das lag vor allem daran, dass der letzte finale Pass nicht gespielt wurde, sodass die Angreifer mehr oder weniger in der Luft hingen und, das darf nicht unterschlagen werden, an einer großen kämpferischen Leistung der Gäste aus Freising.

Die zweite Hälfte begann wie die erste. Das Spiel gestaltete sich zäh, die Vorteile lagen nun eher auf der Seite der Gäste. Umso überraschender kam dann der Garchinger Treffer: Nach einem schnellen Angriff war die sonst so stabile Gästeabwehr noch nicht formiert, sodass sich der Schütze in aller Ruhe die linke untere Ecke aussuchen konnte. Die Hoffnung, dass dieses Tor dem Garchinger Spiel Auftrieb geben würde, wurde wenige Minuten später durch den Ausgleichstreffer zunichte gemacht. Jetzt waren es die Gäste, die druckvoller spielten. Die Gastgeber sollten, soweit religiös, ihren Torhüter in ihr Abendgebet einschließen, der mehrfach mit guten Paraden das Unentschieden festhielt und es seinen Vorderleuten ermöglichte, kurz vor Schluss aus kürzester Distanz den Siegtreffer zu markieren. Die Erschöpfung nach dem Schlusspfiff stand beiden Mannschaften ins Gesicht geschrieben, doch auf Garchinger Seite dominierte das Glücksgefühl, sich den ersten Sieg in der BOL gesichert zu haben.

Ein Wort zum Gegner: Der SC Eintracht Freising entpuppte sich als hartnäckiger, in allen Mannschaftsteilen gut besetzter Gegner, der es den Gastgebern sehr schwer machte, ihr Spiel zu entwickeln. Besonders der Abwehr gelang es immer wieder, Überzahl zu erzeugen und die Garchinger Stürmer weitgehend zu neutralisieren. Die derzeitige Position am Ende der Tabelle dürfte jedenfalls nicht das letzte Wort sein.

Die U15 aus Garching hat dagegen einen auch für die Moral der Truppe wichtigen Sieg erzielt und dabei neben dem unbedingten Willen zum Erfolg und dem aufopferungsvollen Kampf auch ein ganz kleines bisschen Glück gehabt, das Glück, das ihnen beim letzten Spiel in so vielen Situationen gefehlt hat.