Zwei Gesichter

Die Vorrunde ist vorbei und die Garchinger U15 belegt in ihrer ersten Saison in der Bezirksoberliga einen guten dritten Platz. Damit können alle zufrieden sein, obwohl der eine oder andere sicherlich den verpassten Chancen der ersten Begegnungen nachtrauert. Und tatsächlich: Mit etwas Glück und mit der Wucht und der Spielstärke, die die Mannschaft in den letzten drei Spielen gezeigt hat, hätte es durchaus ein bisschen mehr werden können. Doch spätestens beim Match gegen Kirchheim wurden die Zuschauer von ihrem Team teilweise richtig verwöhnt. So auch heute im Spiel gegen die U15 aus Altenerding – zumindest in der ersten Hälfte.

Der Anpfiff des Schiedsrichters war noch nicht ganz verklungen und die Zuschauer hatten es sich noch nicht richtig bequem auf ihren Plätzen gemacht, als ein Garchinger Stürmer halbrechts seinen Gegner ausspielte, ins Zentrum passte und dort den richtigen Mitspieler fand, der den Ball aufnahm und ihn aus knapp 16 Metern unhaltbar in die obere linke Ecke beförderte. Dieser Führungstreffer und das exakte Zuspiel waren nicht nur ein Augenschmaus, sondern die Eröffnung eines in dieser Souveränität und Überlegenheit bewundernswerten fußballerischen Feuerwerks, das das Heimteam 35 Minuten lang den Zuschauern präsentierte. Die „Veilchen“, wie sie zuhause aufgrund ihrer Trikots liebevoll genannt werden, konnten einem leidtun, wenn sie meist vergeblich versuchten, den Spielfluss des VfR zu stoppen. So war es kein Wunder, dass die Zuschauer nach einer Viertelstunde eine Art Déjà-vu erlebten: Wieder zog derselbe Garchinger Stürmer auf halbrechts an seinem Verteidiger vorbei, wieder passte er zielgenau in die Mitte, wo derselbe Stürmer, der bereits das 1:0 erzielt hatte, dieses Mal keine Schwierigkeiten hatte, mit dem zweiten Treffer nachzulegen. Das alles sah so spielerisch einfach aus, als würde hier ein A-Team gegen die zweite Mannschaft ein Trainingsspielchen abliefern.

Folgerichtig zappelte der Ball nach einem fulminanten Schuss zehn Minuten später erneut im Altenerdinger Netz, und wiederum war der Gästekeeper machtlos, was man beim vierten Treffer kurz darauf nicht unbedingt behaupten kann. Eine von rechts halbhoch aufs Tor gezogene Ecke hob sich der Unglückliche selbst ins Netz. Das 4:0, mit dem der Referee zur Pause pfiff, war insgesamt höchst schmeichelhaft für die Gäste, denn Garching hätte, gemessen an den Chancen, leicht noch zwei bis drei Tore erzielen können. Aber noch waren ja 35 Minuten Zeit, um gehörig nachzulegen, dachten zumindest alle Garchinger Zuschauer und wohl auch die Akteure auf dem Spielfeld und der Ersatzbank, die mit dem Spiel unisono höchst zufrieden waren.

Doch erstens kommt es anders und zweitens …. Der Spruch ist zugegebenermaßen abgedroschen, trotzdem: Jeder kennt das von der untersten bis in die höchste Liga zu beobachtende Phänomen, dass ein Spiel in der zweiten Halbzeit völlig anders läuft als in der ersten. So auch das Match gegen Altenerding. Nicht, dass die Gäste plötzlich stark geworden wären – es waren die Garchinger, die vom Anpfiff an all das vermissen ließen, was sie zuvor so erfolgreich gemacht hatte. Die Erklärung, dafür die Einwechslungen verantwortlich zu machen, greift hier viel zu kurz, denn auch die Akteure, die in den ersten 35 Minuten eine souveräne Leistung abgeliefert hatten, ließen die Tugenden vermissen, die sie zuvor gezeigt hatten. Die Bälle wurden viel zu lange gehalten, unnötige Dribblings führten zu Ballverlusten, vom Pressing war nichts mehr zu sehen und das exakte Zuspiel war nicht mehr vorhanden. Das Match war nun zerfahren, Spielzüge, die diesen Namen verdienen, gab es nicht mehr. Nicht, dass das Garchinger Tor darüber in Gefahr geraten wäre, dafür waren die Gäste an diesem Tag zu schwach. Die Enttäuschung bei den Zuschauern und Trainern war dennoch nicht zu übersehen und der Eindruck verdichtete sich, dass wohl einige der Spieler inzwischen zu der Ansicht gelangt waren, dass die Geschichte ein Selbstläufer sei, bei dem es nur noch darum ging, selbst ein Tor zu erzielen. Es dauerte dann eine ganze Weile, bis das Match wieder ansehnlicher wurde und sich erneut eine Reihe von besten Garchinger Chancen ergab, die jedoch teilweise kläglich vergeben wurden. Gegen Ende der Begegnung näherte sich das Spiel wieder der Qualität der ersten Hälfte – Spieler des VfR Garching liefen immer wieder einmal unbedrängt auf das Tor zu und der Gästetorhüter verhinderte den nächsten Treffer nach einem herrlichem Freistoß mit einer ebenso sehenswerten Parade – doch ein Tor sollte nicht mehr gelingen.

Nichtsdestotrotz: Die Garchinger Eltern und sonstigen Fans der U15 können stolz auf ihre Mannschaft sein und auf das, was sie in der nun vergangenen Saison geleistet haben. Jetzt stehen Freundschaftsspiele in Städten an, die auch ohne Jugendfußball eine Reise wert sind, und Pokalspiele, die Spannung garantieren.