Das Gesetz der Serie

Das Regionalliga-Team des VfR Garching befindet sich derzeit in einer kritischen Phase. Es stellen sich Woche zu Woche immer neue und wichtige Fragen: Wohin geht die sportliche Reise? Reichen die erreichten Punkte für den sicheren Klassenerhalt? Gibt es neben dem sportlichen, einen finanziellen Befreiungsschlag? Und, und, und…

Die Weber-Elf ist in der Beantwortung der Fragen auf den sportliche Teil beschränkt. Sie kann Teilantworten liefern, sie kann eine Richtung vorgeben und sie kann für die richtige Balance sorgen. Dass das aber zwischendurch auch mal völlig daneben gehen kann, zeigt die 1:5-Niederlage in Nürnberg.

Hängt das Ergebnis nun tatsächlich mit den derzeitigen Umständen zusammen oder ist man hier lediglich einer ungeschriebenen Gesetzmäßigkeit zum Opfer gefallen? Dem Gesetz der Serie:
Viermal trat man diese Saison schon im Frankenland an. Zuerst in Bayreuth (Niederlage), dann in Hof (Sieg), Fürth (Niederlage) und Schweinfurt (Sieg). Das Auswärtsspiel in Nürnberg stand möglicherweise von Beginn an unter einem unguten Stern…

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Die berühmten Worte von Trainer-Legende Otto Rehhagel bringen uns zurück zur Realität. Einer sehr harten. Wer die 90 Minuten am Valzner Weiher miterleben durfte, weiß was damit gemeint ist. Das Spiel war eine wahrlich schwere Kost für die wenigen mitgereisten Garchinger “Ultras”. Mit etwas Wohlwollen könnte man die erste Hälfte noch als erfolgreich bewerten. Es konnte einem aber auch Angst und Bange werden, wenn man etwas genauer hinsah.

Das 1:0 für die Hausherren in der 18. Spielminute, dass nach einer Flanke aus halbrechter Position am langen Eck unbedrängt per Kopf erzielt werden konnte, zeigte regelrechte Auflösungserscheinungen in der Garchinger Hintermannschaft. Ein einzelner Spieler narrte hier gleich drei Garchinger Verteidiger auf einmal, ehe er zum direkten Assist abspielte.

In diesem Stil ging es im Prinzip weiter. Der VfR bekam kein Bein auf den Rasen und war folglich meistens zweiter Sieger im Kampf um den Ball. Garching versuchte von Beginn an hoch zu stehen und die gegnerischen Verteidiger frühzeitig anzulaufen. Lange Bälle konnten oftmals aber trotzdem nicht verhindert werden. Man sah sich Angriff um Angriff den talentierten “Cluberern” ausgesetzt, konnte nur reagieren, nie agieren.

Der Ausgleich durch Mario Staudigl in der 37. Minute geschah eigentlich aus dem Nichts. Es sollte wohl ein Geschenk der Hausherren sein. Leider blieb es das einzige. Auf Linksaußen hatte sich Stürmer Oliver Hauck endlich mal im 1 gegen 1 durchsetzen können und mit seiner scharfen Hereingabe seinen Stürmerkollegen am kurzen Pfosten mustergültig bedient. Das ging so blitzschnell, dass Stadionsprecherin und heimische Zuschauer den Torschützen erst gar nicht richtig ausmachen konnten. Selbst der Reporter von BFV-TV konnte der Szene nicht ganz folgen.


“Ihr müsst euch wehren…!”

Der Angriff, der zum unverdienten Ausgleich führte, zeigte aber auch wie einfach es manchmal sein kann. Und genau die einfachen Dinge gelangen den Garchingern heute meistens nicht.

In der zweiten Halbzeit konnte das glückliche Unentschieden nicht lange gehalten werden. Bereits in der 55. Spielminute erzielte “der Club” per Foulelfmeter den erneuten Führungstreffer zum 2:1. Je nachdem, wo man sich als Zuschauer am Spielfeld befand konnte die Szene, die zum Elfmeterpfiff führte, als unglückliches Laufduell oder als klares Foulspiel beurteilt werden. Die Entscheidung des Unparteiischen war letztendlich richtig.

Aus Garchinger Sicht fällt viel mehr ins Gewicht, dass dem sanktionierten Zweikampf ein klares Foulspiel im Mittelfeld am Kapitän der Gäste, an Georg Ball vorausging. “Normalerweise” darf man davon ausgehen, dass eine Mannschaft in einer vergleichbaren Situation reklamiert oder sich zumindest der Gefoulte beim Regelverstoß akustisch bemerkbar macht. Dergleichen blieb in dieser Begegnung aus. Es schien fast, als würde man sich dem Schicksal leichtfertig ergeben und nicht mit letzter Konsequenz diese Regionalliga-Partie bestreiten.

Die Treffer zum 3:1 (65. Minute), 4:1 (74. Minute) und 5:1 (77. Minute) könnten diese These unterstreichen. Die Gäste hatten nur wenig Gegenwehr bei ihren Treffern zum verdienten und klaren Heimsieg gegen den Aufsteiger aus dem Münchner Norden.

Der VfR Garching konnte in diesen Spiel keine geschlossene Mannschaftsleistung anbieten. Denjenigen Spielern, die trotz der sportlichen Unterlegenheit bis zur letzten Minute dagegen halten und kämpfen wollten, standen heute nicht genügend Mitstreiter zur Seite.Fast schien es, als würde die Mannschaft den Anforderungen der Regionalliga nicht gewachsen sein.

Es ist noch nicht vorbei

Ja, der VfR Garching musste “ohne sechs” antreten. Ja, man kann auswärts auch mal ein Spiel verlieren. Aber nein, so wie in Nürnberg darf man sich in der Regionalliga nicht präsentieren. Die Situation ist, wie sie ist und keine Frage, das Leben geht weiter. Aber Anspruch und Wirklichkeit klafften am 31. Spieltag bei einigen Spielern einfach zu weit auseinander. Hier gilt es diese Woche den (Trainings-)Hebel anzusetzen. Der Trainer wird die richtigen Worte und Übungen finden. Die Mannschaft kann und wird reagieren. Davon sind wir Garchinger felsenfest überzeugt!

Einer fantastischen Hinrunde mit viel Lob und reichlich Aufmerksamkeit für alle Akteure, darf durchaus diese schwierige Phase folgen. Völlig zu Recht wird diese Saison als die erfolgreichste der Vereinsgeschichte des VfR Garching in die Garchinger Geschichtsbücher eingehen. Mit Demut, Zuversicht und Willen sollte der Mannschaft diese Anerkennung nicht mehr zu nehmen sein.

Noch vor wenigen Tagen durfte man davon ausgehen, dass 41 Punkte zum Klassenerhalt ausreichen sollten. In der Zwischenzeit sind wir alle schlauer. Die Liga ist unten nochmal näher zusammen gerückt. Ein baldiger Dreier sollte dem VfR – Spielern wie Fans – die nötige Entspannung bringen.

Auf geht’s Garching! Kämpfen und Siegen…!