Es vergeht nahezu kein Spieltag, an dem in den Fußball-Stadien des Landes nicht irgendeine Serie zu Ende geht und eine andere fortgesetzt wird. Selbst Rekorde wie des FC Bayern (53 Spiele in Folge ohne Niederlage), oder der des 1. FC Köln (10 Spiele in Folge ohne Torerfolg) wurden gestoppt. Nachdem am letzten Spieltag der erste Heimsieg der Saison gefeiert werden konnte, musste diesmal die erste Auswärtsniederlage hingenommen werden…

Die Suche nach den Ursachen…

Viele Fußballer sind abergläubisch. Genau wie Fußballfans auch. Oder die ständigen Begleiter unseres Regionalliga-Teams. Und so stellt man sich natürlich die Frage, woran es denn gelegen haben mag, dass das Spiel in Ingolstadt so lief, wie es lief. Lag es an den vergessenen Schafkopfkarten für die Busfahrt? An den fehlenden Betreuern und Fans, die sonst immer dabei sind? Oder an der zu kurzen Auswärtsfahrt an sich?

Nein, es lag an keinem der genannten Möglichkeiten. Trainer Daniel Weber brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: Heute haben die Spieler zu viele Fehlentscheidungen getroffen. Sei es in den Zweikämpfen oder bei der Umsetzung der taktischen Vorgaben oder, oder, oder…

Unterm Strich waren es zu wenig gewonnene Zweikämpfe und zu viele Fehlpässe bzw. technische Unzulänglichkeiten im Spiel nach vorne. Da geht dann so ein Spiel eben mal verloren.

Die Wahrheit auf dem Platz…

Der VfR hatte in den ersten 45 Minuten so gut wie keine Spielanteile. Kein einziger Torabschluss konnte erspielt werden. Der FC Ingolstadt hingegen war von Beginn an hellwach. Die Spieler wirkten flinker, körperlich robuster und in allen fußballerischen Belangen überlegen.

Das 1:0 aus der 6. Minute spiegelt das gesamte Dilemma der Vorstellung wieder. Ein Abwehrspieler kann kurz vor der Mittellinie völlig unbedrängt einen langen Ball auf den tief laufenden Mitspieler schlagen. Die Garchinger Hintermannschaft zu statisch und zu weit weg von den Gegenspielern. Mit nur einer Situation werden 10 Garchinger Feldspieler überspielt und Ingolstadts Watanabe läuft mutterseelenallein auf Torhüter Kai Fritz zu. Eiskalt versenkt der auffällig starke Mittelfeldspieler der Schanzer den Ball im langen Eck.

In der Folge hatten die Ingolstädter das Spiel komplett im Griff. Sie ließen Ball und Gegner nach Belieben laufen. Dass es zur Pause nur 1:0 stand, war für die Gäste ein sehr glücklicher Umstand und der mangelnden Chancenverwertung der Hausherren geschuldet. Entsprechend bedröppelt schlichen sie nach dem Halbzeitpfiff in die Kabine. Die früh notwendig gewordene Auswechslung von Orkun Tugbay (33.) trug sicherlich auch nicht zur besseren Stimmung bei. Gute Besserung Orkun, an dieser Stelle!

Die Hoffnung auf Besserung…

Wer den VfR Garching in dieser Saison auswärts schon erlebt hat, konnte sich fast sicher sein, dass die zweite Hälfte ausgeglichener sein würde. Schon oft musste das Team durch den Trainer in der Halbzeitpause nochmal aufgeweckt und neu justiert werden. In Ingolstadt half auch leider dies nichts.

Die Schwarz-Weißen kamen zwar mit spürbar mehr Druck und deutlich aggressiver aus der Kabine, aber es dauerte nur 5 Minuten, ehe dieser Schwung im Keim erstickt wurde. Der mit Gesichtsmaske spielende Zweitliga-Profi Moritz Hartmann köpfte aus zentraler Position eine zielgenaue Watanabe-Flanke unhaltbar ins rechte untere Toreck. Die Garchinger Verteidiger hatten das Nachsehen. Erneut gab es für Kai Fritz  nichts zu halten.

Das zarte Pflänzlein Hoffnung hatte keine Chance. Zwar gaben sich die Garchinger nicht auf, aber heute war für sie nicht der Tag um ein 0:2 zu drehen oder nach den beiden frühen Gegentoren dem Spiel irgendeinen Stempel aufzudrücken. Die Niebauers und Abwehrchef Florian Pflügler trieben die ihren durch Worte und Taten immer wieder an. Dem gegenüber fanden einfach zu wenige Leistungsträger heute zu ihrer Normalform.

Das Ende mit Schrecken…

Das 3:0 und das 4:0 für den FC Ingolstadt vielen innerhalb von gerade einmal vier Minuten. Während der Foulelfmeter in der 57. Spielminute aus Garchinger Sicht als fragwürdig deklariert werden kann, so war das vierte Gegentor nochmal ein Spiegelbild der heutigen Mannschaftsleistung. Nach einer Freistoßflanke von links landete dir Ball irgendwie im Fünfmeterraum und lag dort Bruchteile einer Sekunde frei zum Klären. Offensichtlich stand aber die gesamte Garchinger Hintermannschaft auf dem falschen Fuß. Das lange Bein eines Ingolstädter Stürmers “klärte” das Geschenk letztendlich ins Tor (61.).

Erst jetzt bekamen die Gäste ihre ersten Torchancen. Erst jetzt konnte sich auch Torhüter Kai Fritz endlich auszeichnen. Das Spiel war aber im Prinzip gelaufen. Die Hausherren schalteten zwei Gänge herunter und schonten ihre Kräfte für die anstehende “englische” Woche.

Dass für den VfR am Ende nur noch ein später Anschlusstreffer fiel, hat wiederum mit der hohen Zahl von eigenen “Fehlentscheidungen” zu tun. Ein Konter, der nochmal unzureichend quer, anstatt mit Nachdruck abgeschlossen wird. Ein Abpraller von der Querlatte der aus nächster Nähe anstatt mit Überblick ins freie Eck, dem Torhüter in die Arme geköpft wird. Es war nicht der VfR Garching, den man auswärts gewohnt ist.

Das einzige Garchinger Tor erzielte in der 81. Spielminute Dennis “Capo” Niebauer. Nach einer sehenswerten Flanke es eingewechselten Niko Salassidis, köpft Dennis den Ball über den Torwart hinweg zum Ehrentreffer des Tages.

Der Blick nach vorne…

Es hat also definitiv nicht an den vergessenen Spielkarten oder an den fehlenden Mitreisenden gelegen. Und schon gar nicht an der kurzen Wegstrecke zur Auswärtsbegegnung. Zu viel spricht dagegen. Und zu viel deutet schlichtweg auf einen gebrauchten Tag hin, den man den Garchingern da heute mit auf den Weg gegeben hat. Die Auswärts-Serie ist gerissen. Wie zuvor nach dem ersten Heimsieg.

Nachbearbeitung und Vorbereitung fanden wie gewohnt gleich nach Spielende auf dem Platz statt. Wir können uns sicher sein, dass Daniel Weber und sein Team die richtigen Worte parat hatten. Mit großer Zuversicht starten wir in die “Englische Woche”.

Mit Sicherheit werden sich Spieler und Trainer diesen Rückschlag schnell aus den Kleidern schütteln. Dafür ist die Mannschaft Team genug und hat in den Spielen zuvor schon oft genug bewiesen, dass mit dem VfR immer zu rechnen ist. Bereits am Dienstag (3.10.) wird die Mittelfränkische Woche eingeläutet, wenn die U23 des 1. FC Nürnberg zu Gast im Garchinger Seestadion sein wird. Nur vier Tage später kommt der Nachbar aus Fürth…

P.S.: Die Auswärtstabelle ist immer noch sehr ansehnlich… 😉


VfR Garching vs. 1. FC Nürnberg II

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