„Der Kern der Mannschaft muss stimmen.“

Daniel Weber, Trainer der A-Mannschaft des VFR-Garching blickt auf ein erfolgreiches sportliches Jahr in Bayern- und Regionalliga zurück. Und er verrät uns, ob das „Daniel-Weber-Stadion“ ein schönes Weihnachtsgeschenk für ihn wäre.

Daniel, lass uns doch mal mit der Bayernliga 2015/2016 beginnen. Mit welcher Zielsetzung seid ihr nach der Winterpause in die letzten 12 Rückrundenspiele gestartet?
Sicher mit dem Ziel wieder den Aufstieg in die Regionalliga zu schaffen. Das ergibt sich vor allem aus unserer ersten Regionalliga-Saison zuvor, wir haben es ja auf den letzten Drücker nicht geschafft und haben dadurch auch zweigleisig geplant. Es war so toll in der Regionalliga mit dabei sein zu dürfen, dass ich schnellst möglich wieder zurück sein wollte. Aber diese 12 Spiele waren hart und ein steiniger Weg.
Das heißt, Eure Mannschaft war ganz klar für die Regionalliga ausgerichtet, aber dann musstet ihr Euch nochmal durch die Bayernliga kämpfen?
Durchkämpfen trifft es. Obwohl wir uns ja vor der Winterpause damals ganz oben festgesetzt hatten, war das alles andere als ein Selbstläufer. Aber uns hatte die Regionalliga so angefixt! Wir wollten unbedingt den ganzen Aufwand, den wir betreiben, wieder mit den Highlights der Regionalliga füllen.
Habt Ihr Druck gespürt?
Der große Vorteil in Garching ist, dass diese Zielsetzung nicht niedergeschrieben ist. Es ist immer ein Wunsch und ein Ziel, aber Ziele sind nicht dazu da, dass man sie verpflichtend erreichen muss. Sie müssen aus dem ganzen Gefüge heraus erreicht werden: Vorstand, Abteilung, Helfer und Mannschaft. Und die Mannschaft hat sich letztes Jahr in der Winterpause die Voraussetzungen für den Wiederaufstieg selbst hart erarbeitet.
Trotzdem lief es zu Beginn alles andere als nach Plan, oder?
Richtig. Wir hatten in der Pause zum Beispiel einen herben Rückschlag zu verkraften. Max Knauer, einer unserer Leistungsträger, den wir extra für den Wiederaufstieg in die Regionalliga geholt hatten, musste leider im Trainingslager seine aktive Karriere mit 26 Jahren verletzungsbedingt beenden. Dann war da dieses erste Spiel gegen Pippinsried. Obwohl die Platzverhältnisse extrem schlecht waren, hatten wir uns damals dazu entschieden zu spielen. Pippinsried hat in diesem Spiel nur auf unsere Fehler gewartet und wurde dann leider dafür auch noch belohnt. In Sonthofen, unsere damaligen Verfolger um die Spitzenplatzierung, haben wir dann auf ligaunwürdigem Kunstrasen auch verloren und waren auf einmal nicht mehr in der Poleposition. Da waren wir richtig niedergeschlagen und mussten kämpfen.
Wie habt ihr Euch aus dieser Situation befreit?
Was wir in den letzten Jahren gelernt haben ist, dass uns diese herben Rückschläge immer noch mehr Antrieb geben können. Das hat meistens dazu geführt, dass alle nochmal eine Schippe drauflegen.  Und so war es auch diesmal. In dieser Situation hat sich gezeigt, dass der Kern der Mannschaft stimmt.
Was meinst Du mit dem Kern der Mannschaft?_47R9604
Die Trainer und 6-8 Spieler, die schon länger in der Mannschaft sind, stellen diesen Kern. Die Kommunikation und die Stimmung zwischen diesen Personen muss passen. Dann schafft man es auch, neue Spieler erfolgreich in eine Mannschaft einzubinden und das größtmögliche Potential von allen abzurufen. Wenn der Kern ein stabiles Gefüge ist und die Stimmung gut steuert, dann ist man für alle Herausforderungen gewappnet.
Nach dem „Sonthofen-Spiel“ habt ihr dann ja auch eine Siegesserie hingelegt.
Von da ab haben wir fünf Spiele in Folge gewonnen. Dabei hatten wir mit Heimstätten, Rosenheim und Pullach drei richtige Bretter vor der Brust. Jedes Spiel war Spitz auf Knopf. Aber da haben wir bewiesen, dass wir wirklich wollen.
Das heißt ab diesem Zeitpunkt war klar, dass ihr den Wiederaufstieg schaffen werdet.
Von da ab lief es für uns. Hinten raus war es einfach noch ein Geduldsspiel. Und dann hatten wir, weil wir die Spannung gehalten haben und nicht überheblich geworden sind, den Aufstieg drei Spieltage vor Schluss in der Tasche.
Und dann ist eine große Last abgefallen?
Richtig. Das war in der Saison das Entscheidende: Es war für uns als Team unser schwierigstes Jahr, das wir je hatten.
Warum?
Die Regionalliga-Saison davor war mit der Relegation extrem lang, d.h. wir hatten kaum Pause. Dann hatten wir 9 neue Spieler, die wir in die Mannschaft einbinden mussten. Wir sind schlecht gestartet … es war einfach schwierig nach dem Abstieg das Leistungspotential wieder abzurufen. Dieses Problem haben ja viele Mannschaften nach einem Abstieg. Oftmals fällt man da einfach in ein mentales Loch. Und dann ist die Bayernliga auch einfach so anders als die Regionalliga. Wir hatten viele sehr enge Spiele. Die Gegner haben sich auf uns eingestellt und zum Teil nur noch reagiert und nicht agiert. Wir mussten uns immer wieder neu motivieren. Zum Schluss war der Wiederaufstieg somit eine absolute Energieleistung.
_47R9875Die Favoritenrolle war also auch eine Bürde?
Die Favoritenrolle als Absteiger ist immer schwierig. Man hat es auch an Heimstetten gesehen. Die hatten sicherlich einen genauso namhaften Kader wie wir. Aber die haben es nicht geschafft. Die haben den Bogen nicht bekommen. Da muss man unseren Spielern einfach ein riesen Kompliment machen, was sie da geleistet haben. Zusätzlich haben sie dann den Aufstieg auch noch mit dem ersten Meistertitel gekrönt.
Vor den 4 Wochen wohlverdienter Pause stand also im Sommer eine ausschweifende Aufstiegsfeier an.
Die war gar nicht so ausgelassen, wie man immer denkt. Sicher haben wir uns gefreut und die Feier war schön. Aber es war mehr so, dass eine Last von uns abgefallen ist. Wir haben bewiesen, dass wir keine Eintagsfliege sind. Wir haben den schweren Gang nach oben wieder geschafft. Die Jungs haben natürlich ordentlich gefeiert, aber diese Geschichten gibt man natürlich nicht preis…
Der Aufstieg war also mehr nach dem Motto „Haken dran“ auf dem Weg in der Regionalliga wirklich Fuß zu fassen?
Genau. Es war einfach ein notwendiger Schritt, um wieder dauerhaft in der Regionalliga spielen zu können. Und alle aus unserem Team, die schon in der Regionalliga gespielt hatten, die wollten das unbedingt. Die wollten diese Highlights mit den Traditionsvereinen, den Auswärtsspielen in den tollen Stadien, die Zuschauerkulisse mit dem Ambiente um die Spiele herum. Das ist genau das, wofür wir den ganzen Aufwand betreiben. Dafür lohnt es sich, sich in der besten Liga auf der Schwelle zu den Profis zu messen.
Auf welche Highlights habt ihr euch dann im Vorfeld besonders gefreut?
Die Spiele im Grünwalder Stadion zum Beispiel. Das ist natürlich für alle Münchner Jungs im Team ein Highlight. Viele kommen aus den Leistungszentren von Bayern, 1860 oder Unterhaching, durften aber in der Jugend nie selbst in diesem Stadion spielen. Dann sind es aber auch alte Traditionsstadien wie die Rosenau in Augsburg, oder das Stadion in Schweinfurth, Bayreuth, Burghausen…
Also ist fast jedes Spiel ein Highlight?
Ja, klar. Auch Spiele auf dem „Dorf“ wie beispielsweise gegen Schalding, das uns noch bevorsteht. Das ist was Besonderes, weil das Kampf pur bietet. Und weil wir an dieser traditionsreichen Geschichte dieser Vereine und der Liga in Bayern teilhaben können.
Günter Edahl, ihr Co-Trainer, hat zu Beginn der Saison gesagt, dass die Mannschaft manchmal ein bisschen Angst vor der eigenen Courage hat und selbst darüber erschrocken ist, welchen guten Fußball sie spielt. Hat die Mannschaft mittlerweile verstanden, zu was sie zu leisten im Stande ist?
Nein, das hat er anders gemeint. Wir neigen manchmal dazu nicht das nötige Selbstvertrauen zu haben und das macht oft den Unterschied aus, damit Du auf die Siegerstraße kommst oder leider die falsche Abfahrt nimmst. Dazu muss man sich wahrscheinlich das Verhältnis der Mannschaften in der Liga anschauen. Jungprofi Mannschaften, Profi Mannschaften und reine Amateure. Wir sind reine Amateure. Aber wichtig bleibt, dass wir aktuell 10 Siege, 2 Unentschieden und 9 Niederlagen haben. Damit solltest Du mehr Selbstvertrauen bekommen und auch souveräner werden. Denn damit kannst Du nicht absteigen. Aber mir geht es um das Verhältnis. Mir ist wichtig, dass wir mehr Spiele mit „Nicht-negativem“ Ausgang haben. Wir haben die kleinen Bayern geschlagen, wir haben Schweinfurt mit ihrer Megatruppe geschlagen … das klingt so selbstverständlich. Aber jeder muss annähend an seine 100% Leistung kommen, sonst haben wir keine Chance. Mental und körperlich muss jeder seinen besten Tag haben, damit wir positiv abschneiden.
Und das war diese Saison wohl häufig der Fall? Eines der Erfolgsgeheimnisse des VFR in dieser Saison?
Schon. Wir konnten diese 100% ganz oft abrufen. Aber natürlich haben wir auch Glück gehabt. Gegen Augsburg zum Beispiel, gegen Schweinfurt, gegen die Bayern. Es waren viele Spiele dabei, die auf beide Seiten hätten kippen können. Die wir aber für uns entschieden haben. Wobei es diese knappen Spiele auch gab, wo wir es nicht geschafft haben. Die besten Beispiele sind die beiden Spiele gegen 1860. Da haben wir es einfach nicht geschafft, das Tor vorne weg zu machen. Das Geheimnis ist einfach, sich möglichst lang mental gemeinsamen mit allen Kräften gegen die Niederlage zu wehren. Dann stehen Spiele lange knapp und dann kann man sie oft für sich drehen. Wenn Du an dich und dein Team glaubst.
Oft wird da aber auch von der Euphorie des Aufstiegs gesprochen, gerade wenn es die ersten Spiele in einer Saison besser läuft als erwartet.
Die Euphorie ebbt irgendwann ab. Meistens schafft man es 10 Spiele lang, wenn es gut läuft und dann bricht die Welle. Und dann musst du da raus und eine neue Welle entwickeln. Und das haben wir diese Saison geschafft. Ich bin mir auch sicher, dass wir diese Welle wieder entwickeln werden. Weil der Wille die Liga zu halten so enorm groß ist.
Du deutest es an, die letzten 3 Spiele vor der Winterpause sind für Euch nicht ganz so glücklich gelaufen.
Wir haben in den letzten Spielen klar unsere Defizite gesehen. Zum Beispiel beim „Hachingspiel“, da waren wir nach dem 2:0 mental einfach platt. Da ist unsere Strategie einfach nicht aufgegangen. Wir wollten gegen Haching unbedingt in Führung gehen. Aber als wir die Chance dazu hatten, haben wir das Tor einfach nicht gemacht. Und dann kam Haching ins Rollen, man hat gespürt, dass wir sie gereizt haben, ihr ganzes Potential aufblitzen zu lassen. Dann war da für uns nichts mehr zu holen.
Wie habt ihr diese doch herbe Niederlage verarbeitet?
Im Prinzip recht schnell. Wir haben uns gesagt, dass Haching kein Maßstab ist. Und dann lief es im Bayreuth-Spiel in der ersten Halbzeit eigentlich auch ganz gut. Wir waren die bessere Mannschaft, haben sogar das Gegentor mental noch gut verarbeitet und den Ausgleich geschafft. Aber dann in der zweiten Halbzeit waren wir einfach körperlich platt. Da hat man deutlich gesehen, dass der Geist willig ist, aber das Fleisch schwach war. An solchen Spielen auf dem tiefen Boden merkt man einfach, wie lang und anstrengend diese Saison für uns war.
Und dann kam der Kracher gegen 1860 im Grünwalder Stadion.
Grünwalder StadionDas war für uns eigentlich ein Glücksfall. Weil das Grünwalder Stadion mit den vielen mitgereisten Fans aus Garching war quasi nochmal der Supermotivationskick für unser letztes Spiel vor der Pause. Denn wir waren körperlich hart am Limit. Fußballerisch, läuferisch und kämpferisch haben wir es auch nochmal bewiesen, warum wir so eine gute Runde gespielt haben. Das Ergebnis hat unsere Leistung natürlich nicht belohnt, darüber war ich auch sauer. Aber ich hab gesehen, dass die Mentalität unserer Mannschaft genau das ist, was wir uns erarbeitet haben. Und deshalb brauchen wir in den letzten Niederlagen auch nicht verharren. Wir können das 60er Spiel als sehr positives Beispiel hernehmen dafür, was wir in dieser Saison zu leisten im Stande sind. Und das es Spaß macht dieser Mannschaft beim Fußballspielen zuzusehen.
Es gibt also sehr viel Positives, was Ihr auch aus den Niederlagen mitnehmen könnt. Kann man auch Positionen in der Mannschaft festmachen, auf denen ihr euch besonders gut entwickelt habt?
Das ist ganz klar unsere Offensivgewalt, die wir entwickelt haben. Vor allem weil die auf mehrere Schultern verteilt ist. Ich hätte vor der Saison nicht gedacht, dass wir 5 direkte Freistoßtore machen. Ich hätte auch nicht erwartet, dass wir einen Spieler mit 12, einen mit 8 und einen mit 7 Toren haben. Und das zur Winterpause. Zudem haben wir eine wirkliche Spitze gefunden, die super zu Dennis Niebauer passt und auch noch oft trifft. Das war vor der Saison so nicht abzusehen und das stimmt mich recht froh und positiv für die sportliche Zukunft 2017.
Wo werden in der Winterpause die Schwerpunkte in der Vorbereitung liegen?
Konditionell und körperlich müssen wir die Jungs sehr gut auf das ganze Jahr, nicht nur auf die verbleibenden Rückrundenspiele, vorbereiten. Das macht man heutzutage nicht mehr mit wochenlangem Lauftraining. Wir werden viel mit dem Ball machen, viel für die Kräftigung und Stabilität. Hier müssen wir uns die Grundlagen für die ganze Saison holen. Da müssen wir im Vergleich zu den Vorjahren auch noch eine Schippe drauf legen, da die Regionalliga einfach nach der Pause noch mal mehr von den Amateurteams abverlangt.
Wie ist deine Prognose, wo steht der VFR am letzten Spieltag?
Natürlich habe ich die ganze Saison über das Gefühl, dass wir die Liga halten werden. Wenn ich daran nicht glauben würde, wäre ich in der falschen Position. Ich sehe 14-16 Punkte als realistisches Ziel an. Mal sehen wo man dann am Ende damit landet.
Der Name des Seestadions kann erworben werden. „Daniel-Weber-Stadion“, wäre das ein schönes Weihnachtsgeschenk für Dich?
(lacht) Nein. Weil damit wäre dem Verein nicht geholfen. Wir brauchen hier einen vernünftigen, serösen Sponsor, der den Namen erwirbt. Der Verein braucht einen verlässlichen Partner um die Strukturen für die Zukunft zu schaffen. Und dabei soll uns auch der Verkauf des Stadionnamens helfen.
Daniel, vielen Dank für das Gespräch!

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