Mit reichlich Verletzungssorgen und einer erneut neu formierten Abwehrreihe bringen die tapfer kämpfenden Garchinger – bei hochsommerlichen Temperaturen und äußerst stumpfen Geläuf – drei glückliche Punkte mit nach Hause. Ein Spiel voller Unwägbarkeiten führt letztlich zum erhofften Auswärtssieg bei den Fürther Nachwuchs-Kleeblättern.

Stresstest vor Spielbegin

Die Regionalliga Bayern ist eine Liga mit hohen Ansprüchen. An Trainer, Spieler und die teilnehmenden Vereine selbst. Völlig zurecht orientiert man sich am Profibereich – zu dessen Schwelle die Akteure zweifelsfrei befinden – und hat dafür seitens des Bayerischen Fußball-Verbands ein entsprechendes Regelwerk erarbeitet. Dieses sieht unter anderem vor, dass alle Mannschaften vor Saisonbeginn bekannt geben, in welchen Trikot-Farben sie ihre Heimspiele bestreiten wollen und welche Ausweich-Farben vorgesehen sind.

Der Gastgeber der Partie SpVgg Greuhter Fürth II gegen den VfR Garching spielt demnach seine Heimpartien in weißen Trikots, Hosen und Stutzen. Der Gast ist automatisch dazu verpflichtet in anderen Farben zu spielen. Der VfR hat hier – als Alternative zu den eigenen weißen Trikots – schwarz oder grün zur Verfügung. Bei Temperaturen nahe der 40 Grad Celsius fällt die Farbwahl also nicht schwer: Grüne Ausweichtrikots für Garching.

Aber weit gefehlt. Die Kleeblätter hatten keine weißen Trikots im eigenen Stadion und so musste Garching in schwarz auflaufen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt…

Talent vs Erfahrung

Trotz des unglücklichen Vorgeplänkels entwickelte sich rasch ein hübscher Schlagabtausch mit überraschend hohen Tempo. Sicherlich den hohen Temperaturen zu Lasten, kam dabei nicht jeder Pass beim Mitspieler an und gelang nicht jede Aktion wie gewünscht. Das galt allerdings für beide Seiten. Hinzu kam ein extrem stumpfer Rasen, der in der Regionalliga wohl seinesgleichen suchen dürfte. Aber auch hier: Für beide gleich.

Auf dem Platz standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die Fußballspielen wollten. Mit Betonung auf Spielen. Erwartungsgemäß hatten die Hausherren schnell die größeren Spielanteile. Nicht umsonst gab es für Garching in den letzten Partien in Fürth wenig zu holen. Schließlich ist das Team gespickt mit Jungprofis, die – wie bei allen Reserve-Teams der Profivereine – sich die ganze Woche einzig und allein auf den Fußball konzentrieren können.

Die Weber-Elf kann davon nur träumen. Neben der Doppelbelastung für die Berufstätigen, war das Team zum einen Sommergrippe-geschwächt und zum anderen durch reichlich Verletzungspech dezimiert die Fahrt nach Mittelfranken angetreten. Talent gegen Leidenschaft und ganz viel Erfahrung. Das war dann auch größtenteils die Mischung, die den wenigen Zuschauern in Fürther Vorort Burgfarnbach geboten wurde.

Vorentscheidung aus 11 Metern

Wie in den Begegnungen zuvor, konnten sich die Garchinger in Fürth auf ihre Nummer 1 verlassen. Als in Minute dreizehn die Hintermannschaft bereits geschlagen war und ein gegnerischer Stürmer frei zum Schuss kommen konnte, brachte Maximilian “Haxl” Engl die Fingerspitzen noch an den Ball und lenkte diesen damit noch an die Querlatte. Ein Weckruf bei dem sich niemand über eine Führung für Fürth hätte beschweren können.

Nur 20 Minuten später die nächste Glanztat des jungen Keepers. Florian Pflügler vertendelt nahe der Mittellinie ein “sicheren” Ball und kommt erst kurz nach der Strafraumlinie in die Position seinen eigenen Fehler auszumerzen. Leider aufgrund einer Elfmeterentscheidung durch den Unparteiischen. Eine schmeichelhafte Entscheidung für die Hausherren. Ein zwingender Strafstoß war das nicht. Zumindest nicht aus Garchinger Sicht.

Aber es kam, wie es kommen musste: Anlauf. Torschuss. Engl hält! Was für ein Teufels… Engls-Kerl zwischen den Pfosten der schwarz-weißen!

Nur wenige Minuten später entlud sich der Frust der Kleeblätter – oder war es die Hitze – am Schienbein von Lirim Kelmendi. Mit offener Sohle nahm ein junger Fürther Mittelfeldspieler eine Verletzung seines Gegenspieler billigend in Kauf und musste überraschend aber regelkonform noch vor der Halbzeitpause das Spielfeld verlassen. Lirim hatte schlichtweg eine große Portion Glück, dass hier nicht mehr passierte.

Möglicherweise ein vorentscheidende Szene. Mit 0:0 verabschiedeten sich beide Mannschaften in die Pause. Schmeichelhaft für Garching. Ärgerlich für Fürth.

Glück und Verstand

Nach Wiederbeginn das gleiche Spiel. Hohes Tempo und überlegene Gastgeber. Doch je länger das Spiel dauerte, umso mehr spielte die Erfahrung der Garchinger ein Rolle. Zum Beispiel als Dennis Niebauer – wunderbar von seinen Mannschaftskollegen in Szene gesetzt – in den Strafraum eindringt und den heranstürmenden Torhüter austanzt. Der Elfmeterpfiff diesmal völlig unstrittig. Aus Garchinger Sicht…

Der gefoulte Spieler verzichtete auf die Ausführung des Strafstoßes. Mario Staudigl hingegen ließ sich nicht zweimal bitten und versenkte die Kugel souverän im rechten Eck.

Von da an ging das Spiel vornehmlich in eine Richtung. In die des Garchinger Tores. Beeidruckend, mit welcher Energie und welchem Willen sich die zehn Fürther gegen die Niederlage stemmten. Man hatte im Grunde nie den Eindruck, als sei Garching einen Mann mehr auf dem Spielfeld.

Dritter von drei

Trotz der optischen Überlegenheit wollte es den Hausherren nicht gelingen, das Gäste-Tor ernsthaft in Gefahr zu bringen. Wenn doch, dann war “Haxl” zur Stelle oder schlichtweg das Glück auf der “richtigen” Seite. Außer in der 79. Spielminute: Einen langen Ball auf den eingewechselten und frischen Fürther Stürmer, schätzte der Garchinger Schlussmann falsch ein und nachdem der Ball einmal auf dem trockenen Rasen auftippte, blieb dieser fast liegen. Es kam zum Zusammenstoß der beiden Kontrahenten. Dem Schiedsrichter blieb nur der erneute Fingerzeig auf dem Elfmeterpunkt.

Der gefoulte Spieler verzichtete nicht auf die Ausführung und scheiterte am überragenden Elfer-Killer Maxi Engl. Der dritte Elfmeter gegen die schwarz-weißen innerhalb einer Woche und zum dritten Mal hieß der Gewinner Engl. Der Garchinger Englspakt mit dem Glück!

Glücklich letztendlich auch der Sieg. Aber die Mannschaft von Wieder-in-der-Erfolgspur-Coach Daniel Weber hat auch eine Menge investiert. Bei hohen Temperaturen, nicht idealen Bodenverhältnissen und dem Ärgernis über die unsportliche Geste vor Spielbeginn behielt das Team kühlen Kopf. Wie viele Körner dieses Spiel gekostet haben mag, konnte man auf der ungewöhnlich ruhigen Rückfahrt erahnen.

Die drei Punkte kann man aber so früh in der Saison sehr gut gebrauchen. Nun hat man wieder ein paar Tage Zeit, um Kräfte zu sammeln, Wunden zu lecken und sich nach der notwendigen Verstärkung für den Kader umzusehen. Das Pokalspiel unter der Woche bei NK Croatia Großmehring passt dabei nicht so wirklich rein, aber auch hier wird die Mannschaft nichts verschenken…

Regionalliga Bayern – Saison 2018/19 – 6. Spieltag

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