Ein Treffer in der 6. Minute der Nachspielzeit verhindert den gelungenen Start in die Saison 2018/19. Der VfR verliert nach langer Führung in letzter Sekunde beim TSV 1860 Rosenheim.

So fühlt es sich also an…

…wenn man mit dem Abpfiff sicher geglaubte Punkte abgibt. In der Vorsaison hatten Garchings Gegner mehrfach dieses zweifelhafte Vergnügen. Dauerläufer Lirim Kelmendi erinnerte sich auf der Heimfahrt an die glücklichen Momente zu Beginn des Jahres. Nun war er sich sicher: Steht man auf der anderen Seite, dann ist das kein schönes Gefühl.

Die Partie begann bei sommerlichen Temperaturen mit ca. 10 Minuten Verspätung. Sowohl die Gäste aus Garching, als auch das Schiedsrichtergespann mussten sich erstmal durch den aufkommenden Reiseverkehr kämpfen. Schließlich starteten am Tag zuvor die Sommerferien in mehreren Bundesländern.

Den Gästen merkte man diesen überflüssigen Stress überraschenderweise keine Sekunde lang an. Von Beginn an traten sie mutig und selbstbewusst auf. Dies wiederum verwunderte, da die in der Vorbereitung gezeigten Leistungen eher schwierig, denn überzeugend waren. Trainer Daniel Weber muss – wie jedes Jahr – die richtigen Worte an sein Team gerichtet und gleichzeitig sie gleichzeitig von seiner taktischen Idee überzeugt haben. Erstmals liefen zwei, anstelle von nur einem Stürmer auf. Und dass sollte sich bald auszahlen.

Hohe Temperaturen, hohes Tempo

Bei knapp 30 Grad Celsius zur Mittagszeit begannen beiden Teams mit Leidenschaft und hoher Schlagzahl. Dabei hatten die Gäste aus dem Münchner Norden früh die zwingenderen Szenen. Aber erst, nachdem die Hausherren in Minute 10 den finalen Weckruf starteten. Nach einer sehenswerten Rettungsaktion von Neuzugang Maximilian Engl im Tor der Garchinger, bekam sein Gegenspieler eine zweite Chance und setzte den Ball an den Pfosten. Das hat gesessen!

Nur sechs Minuten später setzte der neuformierte Vorjahres-Vierte seine erste Duftmarke. Kapitän Dennis Niebauer, mit gewohnter Lufthoheit, zwang den gegnerischen Torhüter zu eine Parade, bei der letztlich der Ball vor den Füßen des nächsten Garchinger Neuzugangs – Elias Kollmann – landete. Dieser netzte sehenswert mit großer Übersicht und unwiderstehlichem Tordrang unhaltbar zum verdienten 1:0 für die Gäste ein.

Waren vor Spielbeginn noch einige Fragen offen, so konnte der VfR Garching zu diesem Zeitpunkt bereits ein paar Antworten geben: Ja, die Mannschaft ist absolut konkurrenzfähig und ja, die Neuzugänge sind schon sehr gut integriert und ein Stück weit angekommen.

Nicht weniger als vier der sieben Neuzugänge standen in der Startelf. Herausragend dabei waren mit Sicherheit Keeper Maxi Engl und Torschütze Elias Kollmann, der später sogar noch einen zweiten Treffer landen konnte. Ihres Zeichens 20 und 19 Jahre jung. Aber auch Sebastian Koch und Lucas Genkinger machten ihre Sache mit großer Bravour. Zwar nicht so auffällig, aber das ist auf ihren Positionen (Innenverteidigung und zentral defensives Mittelfeld) auch nicht gefragt. Beide trugen dazu bei, dass die ersten 45 Minuten klar an die Gäste ging und man mit einer 2:1 Führung in die Pause gehen konnte.

Den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer in der 32. Spielminute konterten die schwarz-weißen nur 2 Minuten später. Niko Salassidis bediente den agilen Elias Kollmann mustergültig und so konnte der alte Torabstand schnell wieder hergestellt werden. Auch diesmal stellte der junge Angreifer seine Torgefahr eindrucksvoll unter Beweis. Seine Selbstverständlichkeit beim Torabschluss war beeindruckend.

Am Ende reichte die Kraft nicht aus

Auf fupa.de steht im Spielbericht “…bis zehn Minuten vor dem Ende hatte Garching alles im Griff…”, was leider nicht wirklich stimmt. Bereits ab der 60. Spielminute merkte man den ersten Akteuren die fehlende Frische und mangelnde Konzentration an. Das die Hausherren dies nicht früher zu ihrem Vorteil nutzen konnten, lag zum einen an der individuellen Klasse auf Gästeseite und zum anderen an der Tatsache, dass auch Rosenheim noch in der Findung steckt und auch hier noch nicht jedes Rädchen ins andere greifen kann.

Wo Rosenheim den Garchingern heute aber überlegen war, konnte jeder der ca. 350 Zuschauer im Jahnstadion alsbald sehen. Die Gastgeber hatten die wesentlich größeren Kraftreserven gegen Ende des Spiels und letztlich auch den größeren Willen, als Sieger vom Platz zu gehen. Gäste-Trainer Daniel Weber musste eingestehen, dass die Saisonvorbereitung eben nicht rund, sondern größtenteils “unrythmisch” verlief. Spieler, die erst nach Beginn der Vorbereitung zur Mannschaft stießen, andere, die aus beruflichen Gründen nicht immer zur Verfügung standen und sicher auch zu viele Verletzungen innerhalb eines Kaders, der noch nicht voll besetzt ist. Hinzu kam, dass das Teamwochenende nicht wie geplant durchgeführt werden konnte.

Der Trainer will diese Punkte nicht als Ausreden verstanden haben. Vielmehr sind es die Erklärungen, warum seine Mannschaft gegen Ende des Spiels sich eigentlich nur noch über die Zeit retten konnte. Die Zeit war letztendlich auch das große Problem der Gäste. Je länger das Spiel andauerte, um so mehr Fehler schlichen sich ein. Selbst der sonst oft als Matchwinner agierende “Capo” Dennis Niebauer blieb in dieser Phase nicht fehlerlos. Ein Ballverlust an der Mittellinie fädelte in der 82. Spielminute den Ausgleichstreffer nach blitzschnellen Konter ein und die Rosenheimer wollten offensichtlich noch mehr.

Drei Minuten Trinkpause in Hälfte zwei hatten fünf Minuten offizielle Nachspielzeit zur Folge. Und als diese fünf Minuten bereits verstrichen waren, bedeutete die letzte Aktion im Spiel die bittere Niederlage für Garching. Ein Abstimmungsfehler nach einer scharf geschlagenen Ecke von rechts besiegelte die rabenschwarze zweite Hälfte. Nach dem Torjubel der Hausherren folgte umgehend der Abpfiff.

Alles schlechte hat auch sein gutes

Das Spiel hat gezeigt, es gibt noch viel zu tun. Gleichzeitig hat es aber auch gezeigt, dass der VfR Garching auch dieses Jahr wieder spielerisch einiges zu bieten hat und für die ein oder andere Überraschung sorgen kann. Trainerteam und Mannschaft werden sich in den nächsten Tage und Wochen die notwendige Wettkampfhärte erarbeiten können, um künftig dieses Gefühl des Verlierers in der letzten Sekunde lieber wieder beim jeweiligen Gegner hinterlässt, als auf der Heimfahrt mit nach Hause zu nehmen.

Das Programm der nächsten Woche hat es ganz schön in sich. 3 Spiele in nur 5 Tagen stellen einen gewaltigen Härtetest dar. Zwischen den beiden Punktspielen zuhause gegen Memmingen (Freitag, 20.7.2018 um 18:30 Uhr) und dem nächsten Auswärtsspiel am Dienstag in Heimstetten (24.7.2018 – 18:30 Uhr) wird in Garching am Samstag (21.7.2018) der “Löwe brüllen”.

Das Testspiel gegen die Münchner Löwen war ursprünglich vor einem Jahr als Benefizspiel angedacht. Terminliche Schwierigkeiten führten letztlich dazu, dass dieses Spiel nun erst nach Saisonbeginn stattfinden kann. Die Gelegenheit, Spielern und Zuschauern ein zusätzliches Highlight zu bieten wollten sich weder Vereinsführung noch Trainerteam entgehen lassen. Und auch wenn es für alle Seiten eine zusätzliche Belastung darstellt, so kann dabei am Ende für alle Beteiligten ein Vorteil entspringen.

Bis es so weit ist, gilt die Konzentration aber natürlich dem nächsten Spiel in der Regionalliga Bayern. Mit dem FC Memmingen kommt ein Team ins Garchinger Garmin-Stadion am See, welches am ersten Spieltag noch nicht zum Einsatz kam. Vermutlich wird es auch nach diesem Spiele wieder ein paar Antworten mehr geben.

Regionalliga Bayern – Saison 2018/19 – 2. Spieltag

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